Wenn Experten nicht mitarbeiten wollen

Will man den Sumpf austrocknen, lässt man nicht die Frösche darüber abstimmen.“

(Ausspruch eines unbekannten Pariser Arbeiters aus dem Jahr 1874 „Quand on veut dessécher un marais, on ne fait pas en voter les grenouilles“).

Frosch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Transformationen und / oder Anpassungen des Geschäftsmodells gehören zu den schwierigsten Herausforderungen von Firmenchefs. Besonders deutlich wird dies bei grösseren Unternehmen, welche jahrelang erfolgreich gewirtschaftet haben und dies eventuell immer noch tun. Meist zwingen regulatorische Veränderungen oder grössere externe Einflüsse Unternehmen dazu, ihre Strategien, Organisationen oder Arbeitsweisen den zukünftigen Herausforderungen (effizienter, günstiger, flexibler) anzupassen.

Zeichnen sich Veränderungen am Markt ab, definieren Firmenchefs entsprechende Visionen und neue strategische Ausrichtungen. Diese strategischen Vorgaben festzulegen und auszuarbeiten gestaltet sich oft schon schwierig genug. Die grössere Herausforderung ist jedoch, daraus die Details für die künftige Ausrichtung zu erarbeiten. Wie sieht das entsprechende Geschäftsmodell aus? Wie haben sich Organisation und Prozesse zu verändern? Diese Details sind notwendig um entsprechende Veränderungsprojekte zeitgerecht starten zu können sowie die Mitarbeiter von der Dringlichkeit der Veränderung zu überzeugen und entsprechende Massnahmen treffen zu können.

 

Welcher Experte arbeitet schon gerne an einem für ihn nachteiligeren Umfeld

Für die Ausarbeitung des Detailkonzepts sind nun die Experten gefragt. Doch erleben wir oft ähnliche Verhaltensweisen analog der Frösche und deren Sumpf. Die in der heutigen Geschäftsumgebung gut positionierten Experten erweisen sich meist wenig willens oder fähig über neue veränderte Geschäftsmodelle nachzudenken. Zudem sind in vielen Fällen Produktivitätsgewinne oder Effizienzsteigerungen die Zielvorgaben, welche zu empfindlichen Einbussen bei involvierten Mitarbeitern führen kann. Der Sinn der Veränderung wird in Frage gestellt.

Typische Widerstände bei der  Ausarbeitung von neuen Geschäftsmodellen (oder zukünftigen Veränderungen) sind zudem:

  • Fehlender Wille oder Kompetenz neue eventuell für die Involvierten unvorteilhafte Veränderungen zu entwickeln.
  • Wenig hohe Dringlichkeit für eine Priorisierung der Arbeiten gegenüber dem Tagesgeschäft, welches (gewinnbringend) weitergeführt werden muss.
  • Kurzfristige Gewinne und Optimierungen sind einfacher zu kommunizieren und durchzusetzen.
  • Die Meinungen bezüglich des richtigen Geschäftsmodells der Zukunft sind sehr unterschiedlich, oft gefärbt von persönlichen Motiven.
  • Vorsicht der Experten klare Stellung zu beziehen um nicht intern als „Verräter“ dazustehen.
  • Fehlende Vergleichbarkeit möglicher Konzepte (bei uns ist alles anders!)

Am Effizientesten findet sich eine Lösung, wenn andere Marktteilnehmer bereits gleiche oder ähnliche Veränderungen vollzogen haben. Externe Expertisen können für die Ausarbeitung eines neuen vergleichbaren Geschäftsmodells beigezogen werden. Schwieriger wird es, wenn externe Kompetenz gar nicht oder nur spärlich verfügbar ist, sei dies aufgrund spezifischer Marktumstände oder sehr spezifischer oder neuer Geschäftsmodelle (wie nationale staatliche Monopolisten).

Interne Experten sind nun gefragt, welche gewillt und kompetent sind über künftige Modelle nachzudenken. Dies obwohl analog der Frösche und deren Sümpfe diese eventuell nur bedingt motiviert sind zur effizienten Lösungsfindung beizutragen. Die Gefahr besteht, dass die erarbeiteten Ansätze zu konservativ bleiben und wenig disruptive Ideen entstehen. Dafür wird die Businesskontinuität und Sicherheit in den Vordergrund gestellt. Zur Vermeidung solcher Fallen ist externes Coaching von grossem Vorteil. Diese Form von Expertise wirkt neutral, unvoreingenommen und fokussiert darauf die intern vorhandenen Kompetenzen optimal zu nutzen.

 

Wie bringe ich Experten dazu mitzuarbeiten 

Verschiedene Ansätze und Hilfsmittel unterstützen eine Geschäftsmodellinnovation:

  • Klare Visionen und Vorgaben (z.B. bezüglich Produktivität, Kostenreduktion) des Managements sowie der dazugehörige Zeithorizont setzen den Rahmen.
  • Externe Vorgaben (Regulationen, Roadmaps etc.) dienen als Ausgangspunkt für Diskussionen und sollen sicherstellen, dass diese nicht in die gleichen alten Muster zurückfallen.
  • Zeit und Ressourcen bewusst für Innovationen zuteilen. Ein internes Expertenteam aus dem operativen Bereich mit heterogenen Kompetenzen und Erfahrungen stellen die operative Umsetzbarkeit sowie die Machbarkeit neuer Ideen sicher. Sie beurteilen die neuen Ideen aus der heutigen Perspektive.
  • Provokative Aussagen (eines Expertenteams) regen zu Diskussionen an und helfen einerseits weitere Aspekte auszuleuchten sowie Risiken zu erkennen.
  • Mehrere Review Zyklen mit unterschiedlichen Expertisen helfen der Robustheit der Resultate sowie der breiteren Abstützung im Unternehmen.
  • Ein iteratives Vorgehen (schrittweise Entwicklung des Geschäftsmodells) erhöht die Qualität der Resultate.

Das gesamte Vorhaben beinhaltet hohes Konfliktpotenzial bezüglich Inhalt und Vorgehensweise. Eine externe Moderation kann helfen interne Mitarbeiter zu schützen.

Erfahrungen zeigen, dass die Aufgabe meistens schwieriger ist als erwartet. Schliesslich ist kaum ein Frosch erfreut, wenn am Austrocknen seines Sumpfes gearbeitet wird.

 

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